Meilenstein
1971

Das erste Selfie

Vancouver, Kanada, 15. September 1971. Robert Keziere – der Mann im Vordergrund – schießt ein historisches Foto. Der 34-Jährige Fotograf steht kurz vor einer Reise, die ihn und später auch viele Generationen von Umweltaktivisten prägen wird. Er knipst nicht nur ein Selfie, vielleicht das erste überhaupt, er hält auch die Geburtsstunde von „Greenpeace“ fest. Der Schriftzug am Bug des Bootes überdeckt zwei andere Wörter, „Phyllis Cormack“, – den Namen des Fischkutters, mit dem elf Friedensaktivisten und Keziere zum ersten Mal in einer Mission unterwegs sind, für die es einen eigenen Titel braucht: Grüner Frieden – Greenpeace. Ihr Ziel ist die mehrere tausend Kilometer entfernte „Amchitka Island“ vor Alaska. Die US-Regierung plant dort den bis dahin größten unterirdischen Atombombentest. Keziere dokumentiert die gefährliche Überfahrt: den heranziehenden Wintersturm, Konflikte mit amerikanischen Beamten – und natürlich den friedlichen Protest. Richtig bekannt werden die Bilder aber erst dreißig Jahre später, als Bob Hunter, ebenfalls Teil der Crew und später Greenpeace-Vorsitzender, ein Buch über die legendären 42 Tage auf See mit den Fotos von Keziere, dann schon längst Cheffotograf der Vancouver Art Gallery, veröffentlicht. Titel des Buchs: „The Greenpeace to Amchitka: An Environmental Odyssey“.