Interview

„Der kindliche Blick ist wichtig“

Tobias Krell, besser bekannt als Checker Tobi aus dem Kinderfernsehen, erklärt im Gespräch, warum der Umweltschutz mehr Neugierde braucht
Bild oben: Tobias Krell mit der Biologin Hanitra Rakotonirina und Chamäleon (von rechts) im Regenwald von Madagaskar
Foto: Johannes Obermaier/megaherz GmbH

Seit Jahren erklären Sie Kindern die Welt. Wie viel traurige Realität ist Kindern zuzumuten?

Ganz sicher ist ihnen mehr zuzumuten, als die meisten Erwachsenen glauben. Kinder sind resilient, man kann ihnen zeigen, was Sache ist. Sie wollen ernst genommen werden und spüren sofort, wenn man nicht ehrlich zu ihnen ist. Kinder sind ja mit einem wunderbaren Sinn für Gerechtigkeit ausgestattet. Wenn sie von Ungerechtigkeiten erfahren, haben sie den Impuls, etwas dagegen zu tun.

Sehen Sie keine Gefahr, Kindern die Motivation zu nehmen, weil die Probleme so überwältigend sind?

Die Frage ist, auf welche Art man zeigt, was ist. Ich kann sagen: In ein paar Jahrzehnten wird leider die Welt untergehen. Oder ich sage: Die Welt wird sich so verändern, dass wir unser Leben, wie du es kennst, nicht mehr aufrechterhalten können. Deswegen ist es wichtig, etwas zu tun. Solange Hoffnung und Handlungsmöglichkeiten in der Erzählung stecken, gibt es kein Thema, das Kindern nicht zuzumuten wäre. Wir haben schon Sendungen über Themen wie Tod oder Krebserkrankungen gemacht.

Eigentlich dasselbe, was auch für Gespräche unter Erwachsenen gilt.

Genau. Bei Erwachsenen sehe ich nicht nur die Gefahr, dass sie vor zu vielen schlechten Nachrichten kapitulieren, sondern auch die Gefahr, dass sie gelangweilt abschalten: Ach, komm mir doch nicht schon wieder mit Klimawandel! Man kann Menschen aber auch aktivieren, wenn man sie dazu bringt, die Welt auf eine andere, ungewohnte Art zu sehen.

So wie Kinder auf die Welt blicken?

Genau. Dieser unverstellte, kindliche Blick auf die Welt ist ganz wichtig.

Fragen und Hinschauen, bis man wirklich verstanden hat: Das ist für Tobias Krell das Wichtigste, was wir Kindern mitgeben sollten.
Fragen und Hinschauen, bis man wirklich verstanden hat: Das ist für Tobias Krell das Wichtigste, was wir Kindern mitgeben sollten.

Vielleicht sogar wichtiger als die Anhäufung von Faktenwissen?

Ja, das glaube ich unbedingt. Der technologische Fortschritt führt sowieso dazu, dass es unnötig wird, sich Wissen anzueignen. Es ist ja alles verfügbar! Umso wichtiger ist es, neugierig zu bleiben. Das ist ja der Kern dieser Checker-Tobi-Figur: ­Neugierde. Fantastisch, wenn wir ­Kindern das mit unseren Filmen ­mitgeben können.

Aber wie schaffen wir es im Alltag, Neugierde in Kindern zu wecken?

Fragen wir uns doch, wo die Neugierde, mit der jedes Kind auf die Welt kommt, verloren geht. Die Antwort lautet leider oft: in der Schule. Irgendwann wird da Nichtwissen mit Scham verbunden. Der Lehrer oder die Lehrerin fragt: Wer weiß denn Folgendes? Und alle verstecken sich, weil Nichtwissen Versagen bedeutet und vielleicht sogar bestraft wird. Welches Kind traut sich da noch, nach einer Doppelstunde zu sagen: Ich habe das immer noch nicht verstanden? Das ist leider ein großes Problem, es führt dazu, dass Kinder nicht mehr frei fragend in die Welt schauen, bis sie eine Sache wirklich verstanden haben.

Auch viele Erwachsene weichen lieber aus, als zuzugeben, dass sie keine gute Antwort auf schwierige Fragen haben: Warum brennt der Amazonas-Regenwald? Warum haben manche Menschen so viel Geld und manche gar nichts?

Dass Erwachsene in solchen Situationen unehrlich werden, hat meiner Meinung nach zwei Gründe. Einmal haben wir keine Kultur des Nichtwissens. Wie oft hört man denn in einer Talkshow, dass ein Gast zugibt, keine Antwort zu haben? Und zweitens sind solche Fragen unangenehm, weil sie auf die eigene Verantwortung hinweisen: Warum finde ich mich eigentlich damit ab, dass der Amazonas brennt?

Der dritte „Checker-Tobi“-Kinofilm „Die heimliche Herrscherin der Erde“ startet am 8. Januar. Greenpeace ist Projektpartner der Filmreihe.