Fotos: Lucas Wahl / Greenpeace
In Ihrer Wohnung sehen wir überall Zeugnisse Ihrer Naturverbundenheit – wie ist die entstanden?
Ich bin im Grunde im Wald aufgewachsen. Meine Eltern waren sehr arm. Ich hatte kein Spielzeug, und wann immer ich konnte, trieb ich mich schon als kleines Kind den ganzen Tag alleine im Wald rum. Dort fühlte ich mich sicher und zu Hause. Bald kannte ich alle Tiere und Pflanzen. Als Teile des Waldes abgeholzt wurden, fand ich tote Vogelküken am Boden. Ich war erschüttert und machte mir große Sorgen um all die Waldbewohner, die ich so liebte. Das weckte in mir das Bedürfnis, zu helfen.
Diese Haltung teilen nicht alle.
Ich habe deswegen sogar schon Freundschaften verloren, und deswegen will ich hier auch lieber anonym bleiben. Manche kriegen ein schlechtes Gewissen und fühlen sich angegriffen, wenn ich vom Spenden spreche. Ich glaube, diese Menschen verschließen die Augen vor der Realität, weil der Zustand der Welt ihnen Angst macht. Alles, was uns heute erschreckt, konnte man aber schon vor Jahrzehnten wissen – wenn man nur wollte. Ich habe hier 70 Jahre alte Lehrbücher, in denen das alles schon steht. Natürlich ist es unangenehm, die Probleme der Welt zu sehen. Aber wer hinguckt, dem machen die Dinge keine Angst mehr. Dann kann man helfen und das fühlt sich einfach richtig gut an.

Warum haben Sie keine Angst?
Ich musste mich schon als kleines Kind mit meiner Angst auseinandersetzen. Vor allem Angst vor anderen Kindern, die mich verprügelten. Seither kenne ich meine Angst und lebe jeden Tag, als wäre es der letzte – in vollem Bewusstsein der Risiken und Probleme auf dieser Welt.
Wann kam der Gedanke auf, mit Ihrem Testament der Umwelt zu helfen?
In dem Moment, als ich diese Wohnung kaufte. Ich hatte zwar hohe Schulden, aber ich fühlte mich reich. Ein Dach über dem Kopf, dieser schöne Ausblick, und wenn ich will, kann ich jeden Tag Schinken essen, davon habe ich als Kind geträumt. Was sollte ich denn mehr wollen? Also war ich reich und wusste, ich habe was zu hinterlassen. Damit wollte ich Gutes tun.
Wie kamen Sie auf Greenpeace?
Meine verstorbene Frau war schon Anfang der achtziger Jahre Fördermitglied und bekam die Greenpeace Nachrichten. Darin las ich eines Tages über die Greenpeace-Kampagne gegen die Chemiefirma Boehringer, die das hochgiftige Dioxin produzierte, damals ein riesiger Skandal. Ich war begeistert – Greenpeace tat genau das, was ich gerne selbst getan hätte. Dafür fehlten mir zwar die Muskeln und der Mut – aber ich konnte Geld geben. Das tue ich bis heute und das will ich über mein eigenes Leben hinaus tun. Greenpeace setzt nicht bei den Symptomen an, sondern bekämpft die Ursachen der Umweltzerstörung. Ich bewundere diesen Mut und es bereitet mir Glück, zu wissen, dass Greenpeace mit meinem Geld weiterhin Gutes tun wird.
Infomaterial zum Grünen Testament
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