Brennpunkt Flüsse

Nach dem großen Fischsterben in der Oder hat Greenpeace Proben genommen und nennt die Verursacher beim Namen

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„Die Katastrophe war menschengemacht“

Im vergangenen Hitzesommer starben hunderttausende Fische in der Oder. Was war passiert? Ein Fall für das Rapid-Response-Team von Greenpeace, das schnelle Einsätze organisieren kann. Ein polnisch-deutsches Greenpeace-Team machte sich auf die Spurensuche: Die Expertinnen und Experten nahmen an verschiedenen Stellen Wasser- und Sedimentproben und ließen auch verendete Fische im Labor untersuchen. Während das Team auf Ergebnisse der Analysen wartete, überschlugen sich die Schlagzeilen in den Medien: Es stellte sich heraus, dass die Frühwarnsysteme versagt und die polnischen Behörden die Katastrophe verharmlost hatten. Bald war auch schon der Auslöser ausfindig gemacht: eine toxische Algenblüte, die aufgrund eines hohen Salzgehalts entstand. Fall erledigt? Nicht für Greenpeace.

Auf Ursachensuche: Greenpeace-Ökotoxikologe Julios Kontchou bei der Probenahme
Auf Ursachensuche: Greenpeace-Ökotoxikologe Julios Kontchou bei der Probenahme

Die Umweltorganisation machte sich auf die Suche nach den Verursachern: Die Auswertung der 17 Proben belegte hohe Werte von Schwermetallen wie Quecksilber oder Blei und einen hohen Salzgehalt. Der höchste Salzgehalt wurde im Abwasser aus einem Auffangbecken in Gmina Polkowice gemessen. Der Bergbaukonzern KGHM leitet dieses regelmäßig in die Oder ein. Deshalb macht Greenpeace die Bergbauindustrie für die Tragödie verantwortlich: „Diese Umwelt-katastrophe ist menschengemacht und hätte vermieden werden können“, sagt Nina Noelle vom Rapid-Response-Team. Greenpeace fordert, dass der belastete Grenzfluss renaturiert und rund um die Uhr überwacht wird. Außerdem müssen Einleitungen von schädlichen Substanzen verboten werden. Aber auch damit ist das Kapitel für Greenpeace noch nicht abgeschlossen: „Wir bleiben dran, bis klar ist, dass so ein Massensterben nicht noch einmal passieren kann“, sagt Noelle. Im November machte sich ein Team zusammen mit polnischen Kolleginnen und Kollegen noch einmal an die Oder auf, um Proben zu nehmen. Die Ergebnisse standen bis Redaktionsschluss noch aus.