Alle zusammen für Umwelt und Freiheit

NGOs

Die Zivilgesellschaft gerät immer mehr unter Druck autoritärer Kräfte. Doch Mut, Leidenschaft und Engagement sind stärker

Die Zerstörung des Amazonasregenwalds, Kriegsverbrechen, Wahlerfolge rechtsextremer Parteien. Es gibt diese Tage, an denen legt sich schon am Morgen ein Schleier über die Stimmung. Und mit ihm die Angst, dass die Probleme zu groß, die Hoffnung zu klein und die eigenen Möglichkeiten begrenzt sind.

Gegen diese Angst hilft die Erkenntnis: Wir sind nicht allein. Millionen Menschen sind in Deutschland in Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vereint, um sich für eine bessere Welt einzusetzen. Sie engagieren sich für Themen wie ziviler Krisenprävention, Feminismus oder Umweltschutz. Allein bei Greenpeace Deutschland kommen rund 620.000 Menschen zusammen.

Gefahren für Umweltschutz und Demokratie existieren nicht isoliert voneinander. Die Klimakrise bedroht unsere Lebensgrundlagen. Demokratiefeinde bedrohen die gesellschaftliche Grundlage des Zusammenlebens. Und genauso, wie beide Bedrohungen einander verstärken, dämmt das Engagement gegen eine von ihnen oft die andere ein. Ohne Demokratie keine Klimabewegung. Und mehr Demokratie bedeutet mehr Klimaschutz. Das zeigen viele Studien, etwa der Environmental Performance Index der Unis Yale und Columbia.

Demonstrationen sind ein wichtiges Element der politischen Meinungsbildung und -äußerung. Deshalb zeigen wir auf den folgenden Seiten Bilder von bunten Demos aus aller Welt. Hier: In Jakarta, Indonesien, gehen Menschen im September 2025 für Demokratie und Klimaschutz auf die Straße.
Demonstrationen sind ein wichtiges Element der politischen Meinungsbildung und -äußerung. Deshalb zeigen wir auf den folgenden Seiten Bilder von bunten Demos aus aller Welt. Hier: In Jakarta, Indonesien, gehen Menschen im September 2025 für Demokratie und Klimaschutz auf die Straße.

Denn nur eine funktionierende Demokratie schafft das Fundament für Engagement: Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit begrenzen die Macht der Regierung und sichern die Freiheit des einzelnen Menschen. Ohne diese gäbe es keinen fairen Streit um die besten Argumente und schon gar keine kreativen, mutigen Protestformen, die auch Greenpeace ausmachen. Denn wo Meinungsfreiheit fehlt, werden unbequeme Wahrheiten unterdrückt. In Ländern, in denen Journalist:innen zensiert oder Aktivist:innen eingeschüchtert werden, stirbt auch der Umweltschutz.

Engagement ist mächtig

Umgekehrt gilt: Engagement ist mächtig. Es ist das Mittel einer lebendigen Zivilgesellschaft – von Menschen, die sich unabhängig von Staat oder Wirtschaft für gemeinsame Interessen einsetzen: Umwelt, soziale Gerechtigkeit, Kultur, Sport, Nachbarschaftshilfe und vieles mehr.

Deshalb betrachtet es Greenpeace als essentiell, die Demokratie als Fundament für Umweltschutz zu stärken. 2024 hat Greenpeace die Enthüllungen des Recherchenetzwerks Correctiv unterstützt, die zeigten, dass die AfD davon träumt, Millionen Menschen mit Migrationshintergrund zwangsweise außer Landes zu schaffen – egal, ob sie einen deutschen Pass haben oder nicht. Der Plan ist ein Angriff auf Demokratie, Menschenrechte und Verfassung.

Die Zivilgesellschaft steht in vielen Ländern unter Druck wie seit langem nicht mehr. Gegner:innen einer freien Gesellschaft wollen den umweltpolitischen und gesellschaftlichen Fortschritt zurückdrehen. Ob in Polen, Ungarn oder Deutschland – überall arbeiten Populist:innen an dem Ziel, die Demokratie auszuhöhlen. Auch die Methoden sind immer gleich: freie Presse attackieren, Justiz schwächen, NGOs diffamieren.

In Deutschland nutzt die AfD das parlamentarische Fragerecht, um zivilgesellschaftliche Organisationen zu diskreditieren. Innerhalb von drei Monaten stellte sie 42 Anfragen zu Nichtregierungsorganisationen. Die Union zog im Februar 2025 nach: Nachdem sie sich drei Wochen zuvor im Bundestag erstmals für einen Antrag die Mehrheit durch die Stimmen der AfD verschaffte, gingen Hunderttausende auf die Straße. In ihrer berüchtigten Kleinen Anfrage von sage und schreibe 551 Fragen zu 17 Organisationen, die an den Protesten beteiligt waren, darunter auch Greenpeace, unterstellte die Union einen Missbrauch staatlicher Gelder.

Die Omas gegen Rechts auf einer antirassistischen Demonstration in Hamburg im Februar 2025
Die Omas gegen Rechts auf einer antirassistischen Demonstration in Hamburg im Februar 2025
Am 14. Juni protestierten in den USA Hunderttausende gegen die Trump-Regierung, so wie hier in Los Angeles.
Am 14. Juni protestierten in den USA Hunderttausende gegen die Trump-Regierung, so wie hier in Los Angeles.

Angriffe nach gleichem Muster

Was solche Angriffe bedeuten, zeigt sich an einem Beispiel: Die antirassistische Amadeu Antonio Stiftung sieht sich seit Jahren Falschinformation und Diffamierung ausgesetzt. Im vergangenen November forderte die AfD einmal mehr, der Stiftung alle staatlichen Mittel zu entziehen. Betroffen davon wären etwa Bildungsprojekte an Schulen gegen Antisemitismus und Rassismus. Ähnlichen Angriffen sahen sich schon Organisationen wie Campact, Omas gegen Rechts oder Correctiv ausgesetzt. Einen guten Überblick darüber, wie die Zivil-gesellschaft weltweit unter Druck gerät, bietet der Civicus-Monitor.

Die Versuche, NGOs zu delegitimieren und zum Schweigen zu bringen, folgen einem klaren Drehbuch: Zweifel säen, Vertrauen zerstören, Gegner schwächen. Ob es gegen Greenpeace, Omas gegen Rechts oder feministische Vereine geht – Populist:innen versuchen, das Narrativ vom Deep State zu verbreiten, von angeblichen Berliner NGO-Netzwerken, die professionell und mit düsteren, meist finanziellen Zielen am Mehrheitswillen der Bevölkerung vorbeigehen. Dabei ist die Zivilgesellschaft ein Netz aus Haupt- und Ehrenamt. Von den Umweltverbänden etwa beschäftigen nur 23 Prozent überhaupt bezahlte Mitarbeitende. Meist setzen sich Menschen aus Überzeugung unentgeltlich ein.

Was die Angriffe bewirken sollen, ist klar: Einschüchterung. Der sogenannte „Chill-Effekt“, bei dem Menschen ihre Grundrechte wegen möglicher negativer Konsequenzen weniger nutzen. Schon 2023 gaben in einer Umfrage 30.000 Vereine in Deutschland an, sich aus Angst vor Verlust des Status als gemeinnützige Organisation nicht mehr politisch zu äußern. Und die Stimmung wird schärfer. So deuteten rechte und populistische Kräfte zuletzt immer wieder soziale Fragen um in Fragen nach der Herkunft von Menschen.

Aktive von Greenpeace sperrten im Oktober in London Statuen von Mahatma Gandhi, Nelson Mandela und anderen ein – ein Protest gegen neue Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit.
Aktive von Greenpeace sperrten im Oktober in London Statuen von Mahatma Gandhi, Nelson Mandela und anderen ein – ein Protest gegen neue Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit.

Umweltschutz unter Druck

Im EU-Parlament will eine Mehrheit aus Konservativen und Rechts-populist:innen den Green Deal abschwächen. Umweltverbände werden als „Lobbyinstrumente“ diskreditiert. Ein genauer Blick zeigt, wie die Kräfte wirklich verteilt sind: 81 der 100 größten Lobbyakteure in Deutschland stammen laut Lobbycontrol aus der Wirtschaft. In der EU investierten die 50 größten Konzerne 2023 fast 200 Millionen Euro in Lobbyarbeit – ein Vielfaches dessen, was Umweltverbände aufbringen.

In einigen Ländern ist das Zurückdrängen der Zivilgesellschaft schon weiter fortgeschritten:

Umweltschützende werden diskreditiert – die viel mächtigeren Lobbyakteur:innen der Konzerne werden hingegen kaum hinterfragt.

▶ In Ungarn wird die freie Presse systematisch bekämpft.

▶ In Polen griff die frühere Regierung die unabhängige Justiz an und versuchte, Gerichte zu politisieren.

▶ Die türkische Opposition wird mit fadenscheinigen Vorwürfen politisch bekämpft.

▶ In den USA passiert das alles auf einmal. Hinzu kommen juristische Angriffe wie SLAPP-Klagen (Strategic Lawsuit Against Public Participation) gegen NGOs wie Greenpeace.

NGOs und andere zivilgesellschaftliche Akteur:innen sind kleine Boote zwischen den Tankern der Konzerne. Doch sie haben etwas, das kein Lobbybudget kaufen kann: Glaubwürdigkeit, Leidenschaft – und die Unterstützung vieler Bürger:innen. Die allermeisten NGOs leben von Spenden, Ehrenamt und Engagement. Sie sind Ausdruck einer Gesellschaft, die sich kümmert, die solidarisch ist und in der nicht der Eigennutz und Egoismus der Wenigen das Leben aller bestimmt. Genau das macht sie so gefährlich für autoritäre Kräfte.

Cool bleiben trotz Chill-Effekt

Greenpeace lässt sich nicht lähmen. Die Aktivist:innen setzen weiter auf kreative Aktionen – mutig, oft bunt, immer unbequem. Ob ein Transparent an einem Kohlekraftwerk oder eine Kunstaktion vor dem Bundestag: Die Botschaft lautet immer auch: „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

Aktive von Greenpeace gehen weiterhin an die Orte der Umweltverbrechen und Greenpeace benennt klar, wenn politische und fossile Interessen miteinander verflochten werden – so wie in Deutschland im Fall von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die zuvor Energiemanagerin war.

Große Organisationen wie Greenpeace wissen, dass sie gegenüber kleineren Initiativen privilegiert sind. Es geht um Zusammenhalt. Um Netzwerke, die stärker sind als der Hass.

Mut zur Debatte

Eine Greenpeace-Studie aus dem Herbst 2025 zeigt: Die Mehrheit der Deutschen weiß, dass die Zivilgesellschaft ein wichtiger Teil der Demokratie ist. Gleichzeitig glaubt nur ein Drittel, dass wir wirklich in einer Demokratie leben. Ein erschreckender Befund. Es gibt viele Herausforderungen in Deutschland. Dennoch kann kein Zweifel herrschen, dass Deutschland eine Demokratie ist.

Greenpeace sucht den Austausch, auch mit Gruppen, die nicht seine Überzeugungen teilen. Denn konstruktive Debatten wirken der Polarisierung entgegen. Die Regeln sind dabei klar: hart in der Sache, menschlich im Umgang, respektvoll im Ton.

Den Verschwörungserzählungen setzt Greenpeace Transparenz entgegen. Greenpeace Deutschland finanziert sich zu 100 Prozent aus privaten Spenden, was seine politische wie wirtschaftliche Unabhängigkeit garantiert.

Die gute Nachricht ist, dass wir alle –
etwas tun können:

▶ Sprechen Sie über Demokratie, über Vielfalt, über Meinungsfreiheit – am Küchentisch, im Verein, in der Schule.

▶ Schreiben Sie Abgeordneten, wenn Sie auf Ungerechtigkeit treffen.

▶ Solidarisieren Sie sich, wenn eine Organisation bedroht wird.

▶ Vernetzen Sie sich mit Gleichgesinnten.

▶ Vor allem: Bleiben Sie laut und engagiert.