Ein passender Ort. Mehr als 50.000 Teilnehmende reisten im November in eine Metropole im Amazonas-Regenwald: Belém, 1,4 Millionen Einwohner:innen sowie Studien zufolge bis 2050 zweitheißeste Stadt der Welt. Hier also, wo Erderhitzung und Waldzerstörung schon jetzt jeden Tag direkt erfahrbar sind, fand die Weltklimakonferenz COP 30 statt. Vertreter:innen von rund 200 Vertragsstaaten nahmen teil, mit vor Ort waren UN-Organisationen, Wissenschaft, NGOs, indigene Gemeinschaften – aber auch die Lobby der fossilen Industrie. Für Umweltschützende waren die Ziele klar: Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, stärkerer Wald- und Naturschutz und eine bessere Finanzierung all dessen.
Doch auch Hitze und Waldzerstörung vor Ort reichten nicht, um die Blockierer:innen zu überzeugen. Die Welt-klimakonferenz endete, man kann es nicht anders sagen, als herbe Enttäuschung. Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace und in Belém dabei, formulierte es so: „Diese Weltklimakonferenz ist ein weiteres Opfer der Lobbymacht der Ölstaaten.“
Denn Ölkonzerne und Ölexportländer wie Saudi-Arabien und Russland haben verhindert, dass im Abschlussdokument ein beschleunigter Ausstieg aus fossilen Brennstoffen festgeschrieben wird. Die USA waren in Brasilien nicht dabei, hatten aber im Vorfeld Druck auf kleinere Staaten ausgeübt. Ebenso kam der Aktionsplan zum Schutz der Wälder nicht zustande – und das im größten Regenwald der Erde.
In den Konferenzräumen spielte sich ein mitunter düsteres Schauspiel ab: Mehrere Organisationen, darunter Greenpeace und Transparency International, enthüllten, dass mindestens 1600 Lobbyist:innen der Öl-, Gas- und Kohleindustrie auf der COP vertreten waren. Perfide: Diese Lobbyakteur:innen erhielten mehr Zugangspässe als die Delegationen der zehn am stärksten von der Klimakrise betroffenen Länder.
Immerhin wurde in Belém noch etwas anderes deutlich: Die globale Klimabewegung ist zurück. An der Seite indigener Gemeinschaften fordert sie Lösungen. Die starke Präsenz der Zivilgesellschaft unterschied diese COP von ihren Vorgängern in autoritären Staaten. Im demokratischen Brasilien versammelten sich Zehntausende zu Demonstartionen. Die Konferenz wurde begleitet von Protesten, Projektionen, Kunstinstallationen und öffentlichen Diskussionsrunden. Es war die farbenfrohste COP seit langem.
Und: Der Schutz des Regenwalds ist mit der Anerkennung indigener Landrechte, mehr direkter Förderung für indigene Gemeinschaften und einem Tropenwaldfonds näher gerückt. Dieser Fonds (TFFF) und der Klimafonds sollen ärmere Länder bei ihren Klima- und Naturschutzbemühungen unterstützen.
