Amazonas

„Illegale Banden fallen in Schutzgebiete ein“

Profite statt Nachhaltigkeit: In Brasilien spitzt sich der Konflikt um den Regenwald zu, berichtet Oliver Salge, Waldexperte bei Greenpeace Brasilien

Seit Anfang 2019 ist Jair Bolsonaro brasilianischer Staatspräsident. Hat sich
die Lage für den Amazonas und seine Bewohner seither verschlechtert?

Von Beginn an verfolgt Präsident Bolsonaro eine Agenda gegen die Umwelt: Durch seine Ankündigung, den Amazonas-Regenwald für noch mehr Bergbau oder die Expansion der landwirtschaftlichen Anbaufläche zu opfern, die Vergabe von Umweltlizensierung zu vereinfachen oder die Aufsichtsbehörden für Umweltfragen aufzulösen, hat sich der Kampf um Land noch einmal verschärft. Heute dringen fast täglich illegale Banden in das geschützte Gebiet der indigenen Karipuna im Bundesstaat Rondônia ein, um die noch vorhandenen großen Bäume zu fällen oder um Land zu rauben.

Müssen Menschen, die sich für den Schutz des Waldes einsetzen, um ihr Leben bangen?

Leider ja. Brasilien war schon vor Bolsonaros Amtsantritt laut Informationen des „Comissão Pastoral da Terra“ das Land mit den meisten tödlichen Konflikten um Landrechte, allein 2017 wurden 70 Menschen ermordet. Das wird sich aufgrund des politischen Rückenwinds für Großgrundbesitzer und der Amnestie für illegale Waldzerstörer leider auch nicht so schnell ändern. Viele Mitglieder traditioneller oder indigener Gemeinden berichten von Morddrohungen, weil sie sich für den Schutz ihres Landes einsetzen und es verteidigen.

Und wie wirkt sich der Ausbeutungs- und Abholzungskurs der brasilianischen Regierung auf das globale Klima aus?

Die Konsequenzen werden weltweite Auswirkungen haben, denn der Amazonas-Regenwald mit seinen geschätzten 600 Milliarden Bäumen speichert enorm viel Kohlenstoff, der bei der Zerstörung des Waldes als klimaschädliches Gas entweicht. Der Regenwald ist ein wichtiger natürlicher Stabilisierungsfaktor für das Klima, dessen Schutz weltweit Priorität haben sollte, denn ohne die Beendigung der weltweiten Waldzerstörung wird das Ziel, die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten, nicht zu schaffen sein.