Praxis – Schulen dürfen mehr als gedacht

Greenpeace hat in den letzten Pandemie-Monaten Interviews mit Expert:innen geführt, um die Bereiche herauszuarbeiten, in denen das System Schule mutig weiterentwickelt werden muss. Der Anspruch ist, einer zukunftsorientierten Bildung gerecht zu werden – methodisch und inhaltlich.

Die Beispiele beweisen: Schulen haben den pädagogischen Freiraum sich auszuprobieren! Es liegt in der Hand eines jeden Schulträgers und jeden Kollegiums. Die Möglichkeiten sind getestet und beschrieben.

Es ist ein falscher Ansatz, analoge Lernprozesse nur digital abzubilden. Es geht darum, grundsätzlich Lehr- und Lernprozesse anders zu gestalten: Lernen in einer Kultur der Digitalität, bei der es um Gemeinschaftsprozesse, Partizipation und Kommunikation geht (Micha Pallesche). Digitale Bildung und Nachhaltigkeit – so kann’s funktionieren!

Oder das Beispiel aus Wutöschingen. Hier ist ein „öffentlich wahrnehmbarer Lernraum“ entstanden, in dem sich beobachten lässt, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihrem gemeinsamen Lernen auf die Spur kommen und sich dabei ohne Angst auf eine ungewisse Zukunft einlassen (Deutscher Schulpreis 2019).

Margret Rasfeld

Margret Rasfeld hat 20 Jahre Erfahrung als Schulleiterin und Bildungsinnovatorin, sie will keine kleinen Schritte, sondern echten Wandel. Rasfeld sieht vor allem in jungen Menschen und Eltern die Transformationshebel für die notwendige Veränderung im Schulsystem. In unserem Expertinnen-Interview erklärt Margret Rasfeld, warum Wissen in Häppchenform nicht mehr zeitgemäß ist und sie sich für einen Paradigmenwechsel in der Bildung einsetzt. Deshalb gründete sie 2012 gemeinsam mit Prof. Gerald Hüther und Prof. Stefan Breidenbach die Initiative „Schule im Aufbruch“, mit dem Ziel, Schulen dazu aufzufordern, das historisch gewachsene Unterrichtsverständnis kritisch zu prüfen und loszulassen, um einen transformativen Weg zum neuen Lernen zu ermöglichen. Das Interview mit Margret Rasfeld, der „Schuldirektorin im Un-Ruhestand“ führte die 18-jährige Felicitas Heinisch, die nach ihrem Abitur nun aktuell ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei Greenpeace macht.

Die Psychologin Marina Weisband spricht über die Digitalisierung in der Schule, Bildungsgerechtigkeit sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung im Zusammenhang mit digitalen Tools. Dort erfahren wir, warum die Vernetzung zwischen Lehrenden eine so wichtige Rolle spielt. Und was es in Zeiten aufblühender Verschwörungstheorien und wachsender Wissenschaftsfeindlichkeit braucht, um Schüler:innen auf ihrem Weg zur digitalen Mündigkeit zu begleiten.

Eigentlich ist doch vieles von dem, was aktuell diskutiert wird und in der Vielzahl der aktuellen Bücher oder im Internet beschrieben ist, bereits seit Jahren bzw. Jahrzehnten bekannt. Wir müssen den „Mut“ entwickeln, die notwendigen Veränderungen konkret anzugehen!

Bernd Overwien von der Universität Kassel weist für die Demokratiebildung darauf hin, dass auch politische Bildung nicht neutral sein kann. Lehrer:innen können ihre Position kundtun, dürfen aber nicht ihre Schüler:innen überwältigen. Vertiefend dazu: Corona und wie gehts weiter mit der Demokratiebildung

Jetzt ist die Zeit für neue Wege. Die Pandemie lässt die Stärken und Schwächen der Systeme, auch des Schulsystems, wie unter einem Brennglas erkennen. Die Digitalisierung braucht einen Gesellschaftsentwurf, der durch die Praxis entwickelt wird. Im Distanzunterricht spielt die Aufnahme von Beziehungen zwischen Lehrenden, Lernenden und Eltern die wesentliche Rolle. Sozial und digital Abgehängte müssen aufgefangen werden. Bald wird es wieder für Übergangszeiten in die Schulen gehen, Wechselunterricht wird uns noch das ganze Schuljahr begleiten. Klaus Zierer, Schulpädagoge von der Universität Augsburg, zieht eine erste Zwischenbilanz: Homeschooling eine Zwischenbilanz