Foto: Jan Leya / Greenpeace
Als „echtes Naturjuwel voller Leben“ bezeichnet die Tourismuswerbung die Ostsee. Doch ein Blick unter die Wasseroberfläche zeigt an vielen Orten ein anderes Bild: Schwarz und leblos ist da der Meeresboden. Nur noch Schlamm, wo einst Seegras wuchs, Miesmuscheln siedelten und Seesterne über den Grund krochen. In einigen Bereichen haben sich Bakterien ausgebreitet, die Sulfat zur Energiegewinnung nutzen – ein Zeichen dafür, dass der Sauerstoff knapp wird.
Wie dramatisch die Lage ist, zeigen neue Messungen von Greenpeace. Ende Juli 2026 war der Forschungssegler „Malizia Explorer“ des Segelsportlers Boris Herrmann in der Kieler Förde, der Eckernförder Bucht und der Flensburger Förde unterwegs. An zwölf Stellen maßen die Forschenden von Greenpeace den Sauerstoffgehalt direkt über dem Meeresboden. An elf Messpunkten waren die Werte kritisch. Der schlechteste Wert lag bei nur 1,4 Milligramm Sauerstoff pro Liter. Unter zwei Milligramm können sogenannte tote Zonen entstehen: Für Tiere reicht hier der Sauerstoff nicht mehr aus, und auch Pflanzen überleben nicht.

So trostlos sieht es am Boden der Ostsee vielerorts aus. Greenpeace fordert rasches Handeln der Politik.
Das Problem beginnt auf dem Acker. Mit Gülle und Mineraldünger gelangen große Mengen Stickstoff und Phosphor in die Umwelt und schließlich ins Meer. Die Nährstoffe lassen Algen und Cyanobakterien massenhaft wachsen. Sterben sie ab, sinken sie auf den Grund. Dort zersetzen Mikroorganismen die Biomasse – und verbrauchen dabei Sauerstoff. Was an der Oberfläche wie eine üppige Blüte aussieht, hinterlässt eine ökologische Wüste am Meeresboden.
Die Ostsee gehört zu den am stärksten von Überdüngung betroffenen Meeresgebieten Europas. Laut der Helsinki-Kommission sind 94 Prozent der Ostsee mit Nährstoffen überversorgt. Die Europäische Umwelt-agentur schätzt zudem, dass 34 Prozent des Meeresbodens unter Sauerstoffmangel leiden.
Der schlechteste gemessene Wert: 1,4 Milligramm Sauerstoff pro Liter. Unter zwei Milligramm reicht der Sauerstoff für viele Pflanzen und Tiere nicht mehr aus.

Entlang der deutschen Ostseeküste hat die Forschungscrew Proben genommen.
Die Klimakrise verschärft die Lage. Wärmeres Wasser nimmt weniger Sauerstoff auf, zugleich beginnen Algenblüten früher und dauern länger. Für Greenpeace ist klar: Nötig sind eine strengere Düngeverordnung, eine echte Kontrolle der Nährstoffströme und weniger Nutztiere. Denn die Gülleflut entsteht erst durch die hohe Zahl an Nutztieren, zudem wird Mineraldünger zu großen Teilen für den Futtermittelanbau eingesetzt.
Auch in Flüsse und Seen gelangen zu viele Nährstoffe. Das Problem ist gravierend, das ist unstrittig. Allerdings fehlen übersichtliche Daten zur Gesundheit der deutschen Gewässer.
Darum hat Greenpeace engagierte Bürger:innen zu einer gemeinsamen Recherche eingeladen, um aktuelle Daten zur Nitratbelastung in Brunnen, Seen und Flüssen zu sammeln. Über die Ergebnisse informieren wir Sie in einer der kommenden Ausgaben der Greenpeace Nachrichten.

