Psychologie

Was Kindern Mut gibt

Die Nachrichten von Klimakrise und Umweltzerstörung können vor allem bei jungen Menschen leicht zu Ängsten oder Resignation führen. Psychologin Lea Dohm weiß, was dagegen hilft
Illustrationen: Shutterstock

Einsamkeit, Leistungsdruck, eine unsicher erscheinende Welt und dann noch Ängste wegen Klimakrise und Umweltzerstörung: Psycholog:innen beobachten bei Kindern und Jugendlichen eine immer höhere psychische Belastung. Zwar gab es auch früher Krisen. Doch soziale Medien über-fluten Kinder und Jugendliche heute oft schon in frühen Jahren mit einer Fülle ungefilterter Informationen, sagt Lea Dohm, Psychologin, Buchautorin und Gründerin der Organisation Psychologists for Future. Dohm beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, was wir brauchen, um angesichts der Klima-krise den Mut zu behalten.

Erwachsene sollten die Sorgen der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen, meint Dohm.  Denn viele junge Menschen entwickelten bis zum Ende der Pubertät existenzielle Ängste angesichts der Klimakrise, die die meisten Erwachsenen sich längst abgewöhnt hätten. „Erwachsene verfügen über rigide Abwehrsysteme, die sind bei Kindern und Jugendlichen noch nicht da“. So komme es, dass etwa eine Zwölfjährige verzweifele, wenn sie erfahre, welche Zerstörungen eine ungebremste Erderhitzung wohl anrichten wird. Viele Erwachsene hingegen wehrten ihre Ängste ab mit Gedanken wie „Wird uns hier in Deutschland schon nicht so schlimm treffen“, „Vielleicht stimmt es ja doch alles gar nicht“, „Darum sorge ich mich, wenn ich weniger Stress bei der Arbeit habe“. Besonders dramatisch sei, dass „die Klimakrise jungen Menschen oft unaufhaltsam erscheint, sie spitzt sich immer weiter zu“, sagt Dohm. Viele sähen daher kaum Grund für Hoffnung.

Lea Dohm sieht die Erwachsenen in der Pflicht: „Kinder sind nicht verantwortlich für die Krise.“
Lea Dohm sieht die Erwachsenen in der Pflicht: „Kinder sind nicht verantwortlich für die Krise.“

Lea Dohm ist es zugleich wichtig, die Sorgen von Kindern und Jugendlichen nicht als krankhaft zu sehen. „Nur weil es unangenehme Gefühle sind, sollten wir nicht versuchen, sie wegzutherapieren“, sagt sie. Angesichts der Klimakrise sei es gesund und normal, Ängste zu haben.

Dohm spricht allerdings lieber von „Stress“, denn die Klimakrise löse nicht nur Ängste aus, sondern auch Traurigkeit, Wut und Verzweiflung.

Drei Tipps gegen die Angst

Wie können Erwachsene Kinder und Jugendliche unterstützen, damit sie in der sich zuspitzenden Klimakrise mutig bleiben und ihre Welt mitgestalten können? Für Lea Dohm sind vor allem diese Punkte wichtig:

1

Altersgemäß kommunizieren

Eltern oder Lehrer:innen sollten nie ihre eigenen Hoffnungen oder Befürchtungen übertragen. Denn Kinder beschäftigt oft anderes als Erwachsene. Also: Gut zuhören. Die jungen Menschen weder mit zu düsteren Aussichten überschütten, noch die Realität schönfärben. „Man muss Kinder ernst nehmen, sonst verlieren sie schnell das Vertrauen“, sagt Dohm.

2

Gefühle validieren

Oft ist es schwer, unangenehme Gefühle einfach anzuerkennen. Eltern oder Lehrer:innen kennen den Impuls, besorgte Kinder und Jugendliche möglichst schnell zu beruhigen. Doch wer es schafft, das Unangenehme auszuhalten und mit einem „Ja, das macht mir auch Sorgen“ zu bestätigen, der gibt dem Gegenüber das Gefühl, verstanden und ernstgenommen zu werden. Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass der junge Mensch sich wieder mit seinen Ängsten an diesen Erwachsenen wendet.

3

Kein Reden ohne Handeln

Eltern oder Lehrer:innen sollten nie ihre eigenen Hoffnungen oder Befürchtungen übertragen. Denn Kinder beschäftigt oft anderes als Erwachsene. Also: Gut zuhören. Die jungen Menschen weder mit zu düsteren Aussichten überschütten, noch die Realität schönfärben. „Man muss Kinder ernst nehmen, sonst verlieren sie schnell das Vertrauen“, sagt Dohm.