Bild oben: Polina Kolodiaschna (Dritte von links) und Illia Kuksenko (rechts) mit dem Team von Greenpeace Ukraine.
© Kostyantyn Holinchenko / Greenpeace
Was treibt euch an, mitten im Krieg für Umwelt- und Klimaschutz zu arbeiten?
Illia: Die russische Invasion vor vier Jahren hat alles verändert: Die Menschen leiden unter häufigen Angriffen und Stromausfällen, und der Krieg richtet zugleich enorme Umweltschäden an. 20 Prozent unseres Landes sind besetzt, und die Umwelt dort ist vollkommen zerstört. In dieser Situation suchen wir nach Wegen, das Leben der Ukrainer:innen ein bisschen leichter zu machen und zugleich die Klimakrise einzudämmen. Wir haben schon viel geschafft für den grünen Wiederaufbau. Und ich glaube, dass wir ein Vorbild für andere Länder sein können: Wenn die Ukraine mitten im Krieg den Wandel schafft, dann können Länder, die im Frieden leben, das auch.
Was sind das für Erfolge?
Polina: Die russische Armee zerstört die Infrastruktur im ganzen Land, insbesondere die Energieversorgung. Es ist zu ertragen, morgens in einer kalten, dunklen Wohnung aufzuwachen, kein Kaffee, keine warme Dusche. Aber die kritische Infrastruktur muss aufrechterhalten werden. Das geschieht häufig mit Dieselgeneratoren – in Krankenhäusern, in Schulen, Kindergärten und Unternehmen. Jetzt wollen wir zeigen, dass das viel besser geht: mit Solarstrom. Wir sind dabei, 13 Krankenhäuser mit Solaranlagen und Batterien auszustatten. Eine verlässliche Energieversorgung in Krankenhäusern ist natürlich wichtig, wenn Menschen schnell operiert werden müssen.
Illia: Mit diesem Projekt zeigen wir, dass Klimaschutz und Erleichterungen im Alltag keine Gegensätze sind, sondern Hand in Hand gehen. Das verstehen immer mehr Menschen, es gibt inzwischen eine riesige Nachfrage: Wir hatten Anfragen von 150 Krankenhäusern.

Warum konntet ihr nicht mehr Krankenhäuser ausstatten?
Polina: Es fehlen vor allem die Arbeitskräfte, nicht zuletzt, weil viele Männer im Krieg sind. Deshalb bilden wir jetzt Frauen darin aus, Solaranlagen zu installieren. Wir waren wirklich erfreut über das starke Interesse daran, die ersten 30 Frauen sind ausgebildet, es werden immer mehr.
Was gibt euch in dieser schwierigen Lage Hoffnung und Kraft?
Polina: Eine der Frauen im Solarprojekt hat ihren Mann im Krieg verloren. Das hatte ihr allen Sinn im Leben geraubt. Nach ihrer Ausbildung sagte sie zu mir: „Diese Arbeit ist so wichtig! Krankenhäuser und Kindergärten mit sauberer Energie zu versorgen, das ist der neue Sinn in meinem Leben.“ Solche Begegnungen geben mir Kraft.
Illia: In schwierigen Momenten erinnere ich mich daran, dass dies nicht der erste Kampf der Ukraine ist. Seit Jahrhunderten kämpfen wir um Eigenständigkeit. Und noch in keinem Kampf haben wir so gut bestanden wie in diesem.


Habt ihr einen Traum?
Polina: 2023 besuchte der damalige deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck ein Krankenhaus, das wir mit einer Solaranlage ausgerüstet hatten. Er sagte zu mir, derart ausgestattete Krankenhäuser würde er gerne auch in Deutschland sehen. Seitdem ist es mein Traum, dass die Ukraine in der Welt nicht nur als Kriegsopfer gesehen wird, sondern als Vorbild
bei Erneuerbaren.
Wie können Menschen eure Arbeit unterstützen?
Polina: Wir arbeiten eng mit Greenpeace Deutschland zusammen, die Fördernden unterstützen unsere Arbeit also schon.
Illia: Vergesst uns nicht! Es ist wichtig, dass die Welt sieht, was hier passiert.
