Ein Mann kämpft gegen Windmühlen. Heutzutage ist das nicht Don Quijote aus einem der berühmtesten Werke der Weltliteratur – sondern ein anderer „Ritter von der traurigen Gestalt“: US-Präsident Donald Trump. Bei seiner Rede im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wetterte der wieder einmal gegen erneuerbare Energien. Ein besonderer Dorn im Auge sind Trump Windkraftturbinen, die der Klimakrisenleugner auch noch durchgehend falsch bezeichnet: „China produziert fast alle Windmühlen der Welt“, sagte er in Davos. „Aber ich habe dort noch nie eine Windfarm gesehen.“ Peinlich für ihn: China ist seit Jahren das Land mit der größten installierten Windenergieleistung.
Da lag sogar Cervantes’ verwirrter Edelmann näher an der Realität: Der glaubte, in den Drehflügeln am Horizont Riesen zu erkennen. Riesen am Markt sind Windturbinen heutzutage tatsächlich: Wind- und Solarenergie sind mittlerweile die größten Player auf dem Strommarkt, auch hierzulande. 2025 deckten erneuerbare Energien 59 Prozent der deutschen Stromproduktion, Windkraft ist dabei der wichtigste Einzelträger. Solar zieht allerdings nach: 2025 hat Sonnen-energie erstmals mehr Strom geliefert als Braunkohle. Weltweit decken Erneuerbare rund 30 Prozent des Strom-bedarfs. Und die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass es bis 2030 fast 50 Prozent werden.

Die große Koalition aus Union und SPD wirft Deutschland energiepolitisch weit zurück. Aktive von Greenpeace leisten lauten Widerstand dagegen – wie hier im März am Kanzleramt in Berlin.
Was sind die Gründe für diese Erfolgsgeschichte? Klar, Wind- und Sonnenenergie schonen das Klima: Laut Internationaler Energieagentur sind die CO2-Emissionen der Industrienationen dank der Erneuerbaren so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr.
Aber es gibt noch einen weiteren Punkt: Erneuerbare sind schlicht wirtschaftlicher. Neue Wind- und Solarparks lieferten 2024 Strom weltweit meist 40 bis 50 Prozent günstiger als neue fossile Kraftwerke. Und über 90 Prozent aller neuen Anlagen für Erneuerbare waren billiger als jede fossile Alternative. Das geht aus einer Studie der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena) aus dem vergangenen Jahr hervor.

Schon im Sommer 2024 warnten Aktive von Greenpeace in Brüssel vor der Abhängigkeit von Gaslieferanten.
Und dann ist da noch eine Sache, die in den letzten Jahren überdeutlich wurde: Erneuerbare Energiequellen machen unabhängig von Lieferanten, in deren Hand niemand sein will. Nicht erst die jüngste Krise im Nahen Osten zeigt, dass die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern enden muss. Zuvor führte schon der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine Europas Abhängigkeit von Pipelinegas vor Augen. Und auch das deutsche Ausblenden von Menschenrechtsverletzungen in den Golfstaaten hat nur einen Grund: Abhängigkeit von Öl und Gas. Zuletzt prägten der Angriff auf den Iran und der in Folge steigende Ölpreis den Spruch: Wind und Sonne müssen nicht durch die Straße von Hormus. So wie kein Trump und kein Putin die Sonne über Solarflächen verdunkeln kann.
Atomkraft ist keine Lösung
Am 26. April jährte sich das Reaktorunglück von Tschornobyl zum 40. Mal. Die Erinnerung an die radioaktive Wolke über Europa und das Sperrgebiet um den Unglücksreaktor zeigt: Das atomare Risiko ist zu groß. Wie real die Gefahr besonders in Zeiten des Kriegs ist, zeigt der russische Drohnenangriff auf den Sarkophag im Februar 2025. Und dann sind da noch das Atommüll-Problem, die Abhängigkeit von Uranlieferanten und die enormen Kosten. Verlässlichkeit, Unabhängigkeit und Kostensicherheit gibt es nur mit erneuerbaren Energien.
Wichtig ist eine ehrliche Bilanz: Auch Windräder, Solarpanele und Batterien brauchen Rohstoffe, deren Abbau ökologische und soziale Kosten hat. Recycling spielt hier eine große Rolle. Und nicht zu vergessen: Sauberer Strom nutzt vor allem, wenn der Energieverbrauch gleichzeitig insgesamt sinkt.
Die Vorteile der Erneuerbaren sind so klar, dass es längst nicht mehr nur Klimaschützende sind, die auf sie setzen. Alle, die rechnen können und die Fakten zur Kenntnis nehmen, wissen, dass die Ära von Kohle, Öl und Gas unwiderruflich zu Ende geht.
Doch nicht überall geschieht das im gleichen Tempo. Die Energiepolitik der deutschen Regierung steht, um es freundlich auszudrücken, in befremdlichem Kontrast zur Faktenlage. Dabei ist der Begriff „Energiewende“ eine deutsche Erfindung – längst hat er Eingang gefunden in andere Sprachen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ermöglicht den Ausstieg aus Kohle, Öl, Gas und Atomkraft, das ist eine Erfolgsgeschichte mit globaler Strahlkraft. Lange war Deutschland hier auf einem guten Weg.
In atemberaubendem Tempo baut China seine Kapazitäten für erneuerbare Stromerzeugung aus – wie hier in Shandong.

Doch der Glanz verblasst angesichts einer energiepolitischen Rolle rückwärts: Verbrennerautos und Gasheizungen dürfen länger Treibhausgase emittieren, fossile Energiequellen werden gegenüber den Erneuerbaren bevorteilt. Für den Klimaschutz sind das schwere Rückschläge, für Verbraucher:innen, Wirtschaft und Staat dürfte es aufgrund der Preissteigerungen bei Öl und Gas noch teuer werden.
Die „Geht-doch-Geschichten“ erzählen in der Zwischenzeit andere. Eines der beeindruckendsten Beispiele für rationale Energiepolitik kommt aus Uruguay. Das 3,4-Millionen-Einwohner:innen-Land stand 2008 vor einem Dilemma: Die Stromversorgung kollabierte, das Land war abhängig von teuren Ölimporten. Uruguay entwarf damals einen Plan für echte Souveränität. Also: konsequente Investitionen in die Kraft aus Wasser, Wind, Sonne und Biomasse. Heute erzeugt das Land zwischen 90 und 98 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen. Die günstige und sichere Stromversorgung brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung.

In wenigen Jahren hat sich Uruguay aus der Abhängigkeit von teuren Ölimporten befreit.
Der Vater des Erfolgs, der Physiker Ramón Méndez Galain, sagt: Das würde überall funktionieren.
Ein ähnlicher Aufbruch ist auch in Europa zu beobachten – in einem der ärmsten Länder: Moldau, lange abhängig von russischem Gas, erhöhte seine installierte Kapazität aus Wind- und Solarenergie seit 2020 um das Dreizehnfache. Damit deckten die Erneuerbaren zuletzt rund ein Viertel des Stromverbrauchs, an einzelnen Tagen sogar fast den gesamten Bedarf.
Ein weiteres Beispiel ist Pakistan. In einem Land, das immer wieder mit Hitzewellen kämpft, retten Klima-anlagen ohne Betriebsausfälle Leben. Die Widerstandsfähigkeit von Sonnenenergie hat zu einem nie gekannten Solarboom geführt, ganz ohne staatliche Programme.
Der Solarboom in Pakistan zeigt: Die Erneuerbaren setzen sich durch, weil sie einfach besser sind.

Wo die Umstände am schwierigsten sind, zeigt sich die Stärke der Erneuer-baren besonders. Im ostukrainischen Trostjanez wurde ein im Krieg beschädigter Wohnblock wiederaufgebaut. Geothermie, Solarstrom und Wärmepumpen liefern Energie für 60 Wohnungen. Das Pilotprojekt von Greenpeace Deutschland, der Ökostromgenossenschaft Green Planet Energy und der Umweltstiftung Greenpeace ist Teil eines Plans für grünen Wiederaufbau und zeigt, wie sich selbst große Wohngebäude klimaschonend versorgen lassen. In einem Land, dessen Infrastruktur regelmäßig Ziel russischer Angriffe ist, wird deutlich: Erneuerbare Energie ist widerstandsfähig – auch, weil sie dezentral erzeugt wird.

Das Greenpeace-Pilotprojekt im ukrainischen Trostjanez zeigt: Erneuerbare machen widerstandsfähig.
Wer all das ignoriert und weiter gegen Windräder und Solaranlagen polemisiert, kämpft tatsächlich gegen Windmühlen. Rund um den Globus zeigen Länder, Gemeinden und Privatleute, dass eine Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen eine Frage des Wollens, nicht des Könnens ist. Sie schützt das Klima, schafft Unabhängigkeit, macht Strom günstiger und die Versorgung sicherer. Der Pfad in eine saubere, klima-neutrale Zukunft ist vorgezeichnet.

Das ist überhaupt die beste Nachricht: Die Energiewende ist stärker als alles, was man ihr in den Weg stellen könnte. Die Frage ist nur, ob auch die deutsche Regierung das früh genug erkennt oder ob sie dem Land weitere teure Fehlinvestitionen in die Technik von vorgestern zumutet. Greenpeace wird sich auch weiterhin mit aller Kraft für eine sozial gerechte und grüne Energieversorgung einsetzen.
