Groove mit Message

Wann immer Menschen in Hamburg für Umwelt und Klima auf die Straße gehen, sind die „Rainbow Drums“ dabei. Wir haben bei einer Bandprobe in der Greenpeace-Zentrale reingehört

Zwei Leidenschaften verbinden alle, die bei den „Rainbow Drums“ mitmachen: die Liebe zu Rhythmen und das Engagement für die Umwelt und fürs Klima. Ansonsten ist die Gruppe bunt gemischt. Manche sind schon lange dabei, andere fangen gerade erst an, einige sind bei Greenpeace haupt- oder ehrenamtlich tätig, andere kommen aus ganz anderen Zusammenhängen. Zum Beispiel Luise: Mit einem Schlegel haut die junge Frau auf eine Mülltonne und schließt mit einem lauten Knall immer wieder den Deckel. Sie kommt eigentlich aus der klassischen Musik. Als sie dann bei einer Klimademo die Rainbow Drums erlebte, war sie sofort Feuer und Flamme.

Ute hebt den Arm, winkt und zählt bis vier. Alles verstummt. Drei. Vier. Der rhythmische Sound setzt erneut ein. Zwischen Ausstellungsstellwänden in der Greenpeace-Zentrale spielt und bewegt sich die Gruppe, Marc dreht mit seinem Mülleimer eine Pirouette, Jonas legt einen Trommelwirbel ein und Sabine greift zum Megafon: „What do we want?“ fragt sie. „Climate justice!“ skandiert es zurück. Von oben schauen einige Greenpeacerinnen und Greenpeacer ins Atrium hinunter, der Groove zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht. So ist es immer, wenn die Street Percussion Band auftritt – Demos sind ihre Bühne, ganz egal ob in Hamburg, Berlin oder anderswo. „Wenn wir Action machen, schauen wir in glückliche Gesichter. Die Leute freuen sich, manche fangen sogar an zu tanzen“, erzählt Ute: „Groß-artig war ein Tanzflashmob auf dem Jungfernstieg, da haben Hunderte zu unserer Musik getanzt.“

Die Rainbow Drums sorgen für gute Stimmung und bringen die Klimabewegten manchmal sogar zum Tanzen
Die Rainbow Drums sorgen für gute Stimmung und bringen die Klimabewegten manchmal sogar zum Tanzen

Ute ist die musikalische Leitung der Band. Eigentlich wollte sie nur mitspielen, aber daraus wurde nichts. Denn, wie sich bei der Gründung im Jahr 2017 schnell herausstellte, war sie die einzige Profi-Percussionistin: „Alle wollten trommeln, wussten aber nicht wie.“ Also nahm sie das Ganze in die Hand und legte los.

„Einsatz auf vier nur Deep Drums, Sticks auf der Eins“, sagt die Musikerin, die inzwischen bei der Umweltstiftung Greenpeace arbeitet. Alle bewegen sich einen Schritt nach rechts, einen nach links. Ihr ist es wichtig, dass die Leute Spaß haben und ihr Engagement musikalisch ausdrücken können. Über Fehler beim Spielen sieht sie großzügig hinweg: „Macht einfach ein Solo draus, dann ist alles bestens“, sagt sie vergnügt.

Die Band verwaltet und organisiert sich selbst, alle packen mit an: Sunny hat einen Flyer und ein Logo für die Rainbow Drums entworfen, Marc will einen Fahrradanhänger als Trommeltransporter umbauen, Sabine betreut Neue und Diego erzählt von den Anfängen: „Weil wir es anfangs nicht schafften, gleichzeitig zu gehen und zu spielen, haben wir uns irgendwo an den Straßenrand gestellt – so hat der gesamte Demozug was davon“, sagt Diego von der Greenpeace-Gruppe Hamburg, die mit einer Mail ans Haus einst die Initialzündung für die Gründung der Band gab.

Die rund 20 Trommelnden spielen Reggae, Funk oder – ganz Greenpeace-like – Rapid Response. Zwischendurch bringt Sunny eine Metallkreidetafel ihrer Kinder zum Schwingen. Sie liebt es, Neues auszuprobieren und Klangkörper zu entwickeln: „Bei allem, was ich in die Hand kriege, probiere ich erst mal aus, ob und welche Töne es von sich gibt.“

Sie spielen, bis die Demos durch sind – manchmal vier Stunden am Stück
Sie spielen, bis die Demos durch sind – manchmal vier Stunden am Stück

Die Instrumente – viele sind selbst gebaut, Leihgaben oder Schenkungen – lagert die Band im Keller des Greenpeace-Gebäudes. Da ist viel Recyceltes dabei: Bleche, Tonnen und Fässer in verschiedenen Größen. Auch klassisches Instrumentarium wie Snare, Chocalho und Surdos kommen zum Einsatz – die Bandmitglieder suchen sich aus, worauf sie Lust haben. Während Marc mit einem Hammer eine Röhrenglocke zum Klingen bringt, hämmert Sabine auf einen Topf, einen Brief- und einen Brotkasten ein. Sie alle hängen an einem Holzkonstrukt, das auf einen Rollstuhl montiert ist. Neben ihr liegen Noten mit Kästchen, Kringeln und Kreuzen. „Das ist mein Spickzettel“, sagt sie und fügt hinzu: „Die meisten kommen ohne Noten klar.“ Dann dreht sie sich um und coacht die beiden Neuen. Schon jetzt ist klar, dass sie zum nächsten Treffen wiederkommen wollen.

Nach der Probe schiebt Luise ihre Mülltonne in den Aufzug. „Frisch vom Recyclinghof“, sagt sie und erklärt, wie wichtig der Gruppe Wiederverwertung und Upcycling ist. Neben ihr steht Marc mit seiner Tonne. Luise verzieht leicht das Gesicht: „Die stinkt noch ein bisschen, aber auf der Straße macht das ja nichts.“